Mittwoch, 10 of März of 2010

Die Podusche

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So eine thailändische Podusche will wohlüberlegt angewandt sein. Der Wasserstrahl entfährt ihr mit unbeherrschtem Druck. Von vorne gegengehalten droht man den ganzen Rücken nass zu spritzen. Von hinten gezielt hat man eigentlich nichts unter Kontrolle und verfehlt am Ende noch die angepeilten Stellen.
Das schöne an den Reisen in ferne Länder, sind die fremden Gebräuche und Sitten, die einen um viele Erfahrungen reicher machen. Und das schwierige an den Reisen in ferne Länder, sind die fremden Gebräuche und Sitten, die einen um eine Hosengarnitur nasser machen, wie z.B. eine Dusche, die an einem Schlauch neben dem Klo hängt – für den Hintern. Eine Art portables Bidet.
In thailändischen Bädern gibt es also streng genommen zwei Duschen – eine tröpfelnde für oben und eine stramme für unten. Zusätzlich verfügen die Bäder über Öffnungen in der Mauer, durch die die feuchtheiße Luft und allerhand Getier zirkulieren kann.
Die Spinne, die mein Freund beim Ganzkörper-Duschen entdeckte, entsprach dann auch unseren europäischen Erwartungen an die Tropen: sie war langbeinig, haarig und gefühlt so groß wie ein Dackel. Read more »


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Reihe 33

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7A und C. Nein. Lieber 45 F und H. Nee, lieber weiter vorn: 23 A und C! Oder doch 36 F und H?
Mein Blick huscht zwischen den Sitzreihen hin und her. Nur nicht über dem Flügel sitzen, oder hinten bei Klo und Küche, oder gar vorn hinter der Business Class – um dann den ganzen Flug über grün vor Neid durch den Vorhang zu schielen.
Die Internetgrafik des Flugzeuginnenraums bietet unendliche Entscheidungsmöglichkeiten. Drei Viertel der Plätze waren leer, bis auf die Reihe am Notausgang. Klar, … Beinfreiheit.
Also den Freund anrufen und Beistand anfordern. Er meint, Reihe 33 klingt doch gut, Schnapszahl. Und wo man doch endlich mal wieder den Sitz selbst aussuchen kann, nimmt man nur das Beste. Außerdem ist in der Reihe 34 nur ein Sitz, vermutlich für die Stewardess. Mehr Beinfreiheit, wenn auch hinter uns, aber immerhin.
Reihe 33 – gebucht, gebongt, die Vorfreude steigt. Read more »


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Ich suche keinen Job

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Ich suche einen Job.
Nein.
Eigentlich will ich nur meine Ruhe.
Nein.
Ja! Ich will Cheese Nachos essen, den ganzen Tag.
Nein. Ich brauche einen Job. Und ich suche daher einen.
Nach einem Blick in die Suchbörsenergebnisse im Netz weiß ich, warum die Arbeitssuchmaschine „Monster“ heißt. Die ganze Welt sucht IT-Dingsbums Manager und Regional-Salesmarketing Assistants für die pulsierenden, vorpommerschen Metropolen. Für mich hört aber die Welt hinter Lübars auf. Dort stürzt der Berliner von der Erdscheibe ins brandenburgische Nichts. Read more »


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Schäfchen und Wolke

Meah
Ein herrlicher Frühlingstag, draußen vor dem Fenster hinter dem Schreibtisch strahlt die Sonne, der Himmel leuchtet blau, die Bäume tragen frisches Grün und die Mädchen helle Kleider zu hellen Beinen.
Ich höre Schafsgemecker heraufschallen. Mäh, mäh! Da es in der Hauptverkehrsstraße definitiv keine Herde gibt, beuge ich mich zum Fenster und sehe neugierig auf die Straße hinunter. Ein junger Mann Mitte hängt meckernd und mit herausgestreckter Zunge aus einem Beifahrerfenster. Sein Spott richtet sich auf etwas, das sich noch im Schatten meines Hauses befindet.

In Erwartung eines würdigen Gegners beobachte ich die Szene weiter. Doch ins Bild schiebt sich eine rundliche, ältere Dame. Sie wiegt ihre von einer tapferen Blümchenbluse umspannten Pfunde auf überforderten Beinen über die Straße. Auf ihrem Kopf flattert weißes, zauseliges Haar im lauen Frühlingswind. Sie ignoriert den Schafsimitator, der mit einem letzten “Mäh” und wehender Zunge aus meinem Blickfeld entschwindet.

Arschloch.


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Wahrnehmen, Bewerten, Handeln

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Die rote Clownsnase macht ein röchelndes Geräusch. Unwillkürlich ziehe ich die Spucke im Mund hoch. Mit dem Blick auf eine imaginäre Wasserpistole übe ich mich in intensivem Wahrnehmen. Mit aufgepumpten Wangen und Kulleraugen folgt clowneskes Bewerten. Dann spritze ich mein Publikum nass. Sie quietschen, als hätte mein Handeln wirkliche Konsequenzen.
„Handeln und Bewerten besser trennen!“, bemerkt die Dozentin trocken. Sie schlägt ein Bein über das andere. Guckt.
Also noch mal. Die rote Nase zwickt mich, ich atme heiße Luft ein. Read more »


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Dauerhaft

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Nach all den Monaten der Dürre war sie wahnsinnig vor Bedürfnissen geworden. In der Bar, in der sie mit ihrer alten Bekanntschaft getrunken hatte, fühlte sie sich alt und verbraucht. Das Parfum der jungen Mädchen hinter Theke hatte sie aggressiv gemacht. Die konnten nicht mal richtig rechnen und kicherten dazu auch noch.
Sie fühlte sich in deren Gegenwart noch schwächer als sonst. Das Cocktailkleid aus Polyester schien ihr wie eine Entschuldigung für ihre verwaschene Biographie, die sie immer zu vertuschen suchte. Auf die Frage nach ihrem Beruf antwortete sie mit „Außenhandelsreferentin der EU“. Meistens war die Antwort kurz und knapp. Keiner sah ihr tief in die Augen, um nachzuforschen was sie eigentlich war.
Doch an diesem Abend war sie es leid, allein nach Hause zu gehen. Ihre Bekanntschaft überschüttete sie mit einem Redeschwall, unter dem sie abgetaucht war. Geschützt unter der Schallglocke übte sie sich im stummen Beobachten. Read more »


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Es hat nur an dir gelegen

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Kreuzberg, am Küchentisch. Eine Frau um die 30 erzählt von ihrem unbewegten Liebesleben.
Eine andere hört zu, die dritte spricht die Fußnoten.

Die Frau (angetrunken): Also ich kann nicht einschlafen, seit einem Jahr kann ich bei Männern nicht einschlafen. Ich rufe dann immer meine Freundinnen an … . Ich gehe dann um zwei spätestens. Ich kann bei den Männern nicht einschlafen.
Die Andere (leise): Krass.
Die Dritte (irritiert): Wie, … nicht einschlafen?
Die Frau (lauter): Ja, ich hab da den Philipp getroffen und alles war super. In Kreuzberg. Wenn wir ausgingen war es super, in Kreuzberg. Aber dann hab ich ihn besucht, er wohnte da wegen der Arbeit woanders, und es war gemütlich und so. Haben Sushi bestellt. Schlafanzug angehabt und kuschelig und so. Aber dann im Bett, … nix. Der wollte nur schlafen. Read more »


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Das Fugen-s

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Ein Manuskript wird Korrektur gelesen. Zwei Damen mittleren Alters, eine junge Studentin, ein Mann um die 50, offensichtlich leitender Position, sitzen jeweils vor ihrer Kopie. Man versucht die gemachten Korrekturen miteinander abzugleichen.

Er: Also, wo sind wir?
Studentin (energiegeladen, laut): Also Peter, wir fangen auf Seite 22 an, bei den Tabellen.
Die Damen: Ja, … Seite 22. (blättern geschäftig).
Er (abwesend): Ich bin aber noch auf Seite 12, und …
Studentin: … ja Peter, aber du guckst ja auch nicht richtig, was guckst du denn da? Wir sind doch bei den Tabellen und du musst doch vergleichen …
Er: Ja das versuche ich ja, aber …
Studentin: … auf Seite 22.
Er: Ja. (guckt weiter auf Seite 12). Read more »


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Die Blüte meines Lebens

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Die Blüte meines Lebens traf mich völlig unvorbereitet in meinem 30. Lebensjahr.
Ich hatte gerade den Sonntagsteil der Zeitung in der Hand, in der eine gewisse 18jährige Helene Hegemann ihrer Besorgnis Ausdruck verlieh, dass sie später mit 30 „in der Blüte ihres Lebens“ von diesen und jenen belanglosen Leuten umgeben sein wird, (und so weiter und so fort, der Rest des Interviews verschwamm vor meinen Augen).
Mit 30, in der Blüte ihres Lebens. Ich bin 30. Wo ist meine Blüte? Read more »


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Kakerlakenmenschen

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Meine Mutter meinte immer, wenn eine Atombombe detonierte, dann überleben nur die Kakerlaken. Mit großer Ehrfurcht und Unbehagen beobachte ich seither die überlegenen Insekten. Was würden diese machen, so allein auf der kahlen Erde nach dem Supergau? Nach 30 Jahren Lebenserfahrung weiß ich nun: sie wären nicht alleine; hinter jeder zähen Kakerlake steht nämlich ein Kakerlakenmensch.
Diese Sorte Mensch wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, geradezu schwach. Leicht gebeugt mit schmalen Schultern und dünnem Stimmchen weht ein Kakerlakenmensch heran, setzt sich flugs neben einen und erzählt einem sehnsuchtsvolle Geschichten von Stärke und Erfolg. In jedem Nebensatz hört man, wie schwer er es hat, wie schwach er ist und wie viel Mühe das Leben ihm macht. Nichts kriegt er auf die Reihe. Read more »


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