Dienstag, 9 of Februar of 2010

Music is my only drug

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Mein iPod hat als Jogging Accessoire das größte Potential unseres Teams. Er fasst unendliche Mengen and Liedern und sein Akku ist nicht totzukriegen. Ich wünschte er würde für mich laufen, und ich könnte trällern. Joggen ist und bleibt für mich ein zutiefst unidealer Zeitvertreib. Anstatt zu rennen, könnte man schlendern, anstatt zu schwitzen, bevorzuge ich es herumzusitzen. Unter strenger Beobachtung der dickbäuchigen Raucher im Shishacafe auf der anderen Straßenseite laufe ich regelmäßig zu schnell los. Doch auf die rote Ampel an der nächsten Ecke ist verlass, fast immer halte ich mich bereits dort keuchend am Mast fest. Read more »


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Notausnahme

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Seit einer Woche bin ich fest überzeugt, dass ich mir einen Glassplitter in den rechten vorderen Fußballen getreten habe. Im Geiste sah ich ihn schon durch die Blutbahn ins Gehirn einströmen, durch das Herz wieder in den Zeh sausen, um dort munter weiter zu wandern. Bestimmt hatte der kleine, nervige Splitter schon den ganzen Körper behelligt. Zumindest aus meinen Kopf kriegte ich ihn so nicht mehr heraus. Ich wartete bis ich einen günstigen Brückentag erwischte an dem garantiert keine normale Praxis auf hatte und sah mich so gezwungen, in ein Krankenhaus (Notaufnahme!) zu humpeln. Schon als ich mich anmeldete witterte ich Spritzen und Skalpelle. Nur zwei Stunden Wartezeit später war ich bedient. Read more »


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Erlebnisziegen

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Auf dem Regionaleinkaufzentrum im nördlichen Mecklenburg-Vorpommern gab es zur Belustigung des Publikums Erlebnisziegen. Sie lagen faul auf ihren Bäuchen im Streichelgehege und dösten. Trotzdem wagte sich niemand an sie heran. Ein Schild, in Kinderaugenhöhe am Zaun befestigt, kündigte an: „Beobachten Sie, wie flink sich die Ziegen auf den Turm bewegen, wenn die Glocke ertönt – das Zeichen der Fütterung. Werfen sie zum Auslösen des Glockenspiels und des Futters 50 Cent in den Automaten.“ Der Turm war direkt neben den Ställen, über eine Trittleiter verbunden. Während wir über das Spiel-und-Streichel Areal von Karli’s Erlebnishof wanderten, um einen Euro zu wechseln, malte ich mir das Spektakel aus: emsige Ziegen die aufgeweckt und sich überschlagend im Stall verschwinden, um sich dann gegenseitig auf dem Weg zum Fress-Turm zu überholen. Mit feuchten Händen warf ich das Geld ein – es bimmelte. Read more »


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Gebicker auf Nebengleisen

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Seit Menschengedenken ist die Rede von Mann und Frau – und dass sie nicht zusammenpassen. Unabhängig davon gibt es ja auch Mann und Mann sowie Frau und Frau. Egal in welcher Kombination, es gibt eines was sie im schlimmsten Falle eint, sobald sie sich zu Paaren zusammentun (für längere Dauer): ein eher unterschwelliges verbales Gebicker und sich Anzicken auf Nebengleisen. Diese richtig unangenehme Unart von Verpaarten, unterdrückte “Abgase” der Beziehung in Gegenwart anderer (gerne mal in “ungezwungener” Atmosphäre) loszuwerden, sticht mir seit geraumer Zeit besonders ins Ohr und Auge.
Es ist wie mit Blähungen. Ständig unterdrückt, immer unangenehm, ausgelöst durch falsche Lebensumstände und Gas erzeugende Un-Kommunikation, quält man sich bei Tageslicht damit herum. Am Arbeitsplatz, im Supermarkt, im Bus soll einem nichts entweichen. Aber dann, im gemütlichen Ambiente einer Bar, mit Freunden, beim Dinner brechen alle Dämme. Dort ist man Paar, dort darf man’s sein. Read more »


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Haus und Tiere

Hai links
Die karierten Bermudas, die er trägt, sind noch sehr klein, ebenso seine schwarzen Löckchen und die Luftsprünge, die er vollführen kann. Drei bis vier Jahre hoch ist seine Stimme, sie durchschneidet die feuchtwarme Luft im Aquarium und huscht hellblinkend zwischen den viel größeren, dunklen Gestalten hindurch, die sich vor dem großen grün schimmernden Glas drängen. Seine Worte schlagen eine glitzernde Welle der Bewunderung und sprechen gleichzeitig von größtmöglicher Zuversicht: “Ich frag Mama, ob sie mir auch so einen Hai kauft!”


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we wish – even more

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Bus. Oben im Bus. Ich sitze und gucke im Bus. Ganz vorne höre ich die hinter mir im Bus. Es ist laut und heiß im Bus. Die Strasse wellt sich, die Menschen warten auf den Bus. Winken nach dem Bus. Ich höre Musik im Bus. Der Takt der Stadt dröhnt im Bus. Ich fahre Bus.
Ich jogge. Rechts im Busch hockt einer und scheißt. Eine Frau davor reicht ihm Taschentücher. Eine Ratte flüchtet quer über den Weg. Sie guckt mich an.
Berliner Oper geht im Viertakt. Der Strom entlang der Straße verliert sich am Ende. Ein dunkler Park verschluckt uns und schenkt Kronen aus Blättern für die Könige im Herbst. Read more »


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we wish

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schwungstadt im sommerrausch summt in meinen ohren. mit dem schwungrad fahre ich die sonnenallee entlang. lange schatten ziehen sich über den platz, der markt schreit. hackenporsche an kinderkutsche rutschen über füße, eng drängt die menge und fühlt das obst. alles frisch und heiße ware. ich sonne mich dicht an dicht, schiffe winken vom wasser. die ratte rettet was sie kann und ich laufe entlang. der kanal glänzt im sommerlichen licht.
mitte ist voll, die s bahn staut sich, es ist heiss. mittendrin stehe ich, der tag, mein leben drängt mich. bedeutung ist wandelbar und die stadt trägt mich weiter. sie sind mitten auf der strasse und zeigen auf mich. ich rieche hundekot, der ort an dem ich wohne ist eckig und dreck starrt mich an. ab heute gehe ich nur entgegen der richtung. Read more »


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So cool

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An einem Küchentisch, Kreuzberg. Abends. Es wird geraucht. Der Raum ist voller Leute, die sich nicht kennen.
Sie (Französin, mitte 50, angetrunken): Wahs mir in Berlien so gefählt, iest, dass niemand fragt, was du leistehst. Niecht wie in Mühnchän.
Sie (30, ungeschminkt, lackiert sich die Nägel rot, abwesend): Ja genau. Zum Kotzen. (Denkt über ihren finsteren Kontostand nach).
Sie (fixiert einen punkt in der Ferne): Hiehr in Berlien ist es nischt wischtisch, was du machst, alle machen ehtwas. So coohl.
Sie (hat sich beim Lackieren vermalt, flucht leise): Mist… Ja. Ich habe mein ganzes Leben eigentlich nur studiert und es total genossen. Könnte ewig so weiter machen. Das ist so toll hier in Berlin … wichtig ist, dass man kreativ ist.
Die Französin dreht sich eine Zigarette. Sie trägt einen taubengrauen Lidstrich mit Glitzer-Eyeshadow darüber. Alles sieht etwas schief aus. Auch die Zigarette.
Sie (hat fertig lackiert. Eine Frau kommt dazu und pustet ihr auf die Nägel damit sie schneller trocknen): Danke. Geht schon. Read more »


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Gelbe Ritter

Taxi
Eigentlich geht es darum, ein Stück Weg zurückzulegen. Meistens: Nach Hause, spät und weit. Oder es geht darum, eine Reise zu beginnen: Zum Flugplatz, zum Bahnhof, zum Hafen. Andere Leute fahren auch Taxi, um von beruflichen Terminen zu anderen beruflichen Terminen zu gelangen, aber ich lasse meistens aus privaten Gründen fahren. Und dann oft aus einer Notlage heraus: Zu dunkel die Welt, zu einsam der Weg, zu hoch die Zahl geistiger Getränke, zu schlecht das Wetter oder zu sehr geschrumpft der zeitliche Abstand zum anstehenden Termin, um sich mit einem kostengünstigeren Verkehrsmittel auf den Weg zu machen. Ein gelb leuchtendes Schild in der Nacht – was kann es Tröstlicheres geben.

Egal, welche der elfenbeinfarbenen Türen in dieser Republik man öffnet: Sie führen alle in die selbe Welt aus schwarzledernen Sitzpolstern, die sich freundlich um die Schultern schmiegen. Der Herr, selten die Dame, auf dem Fahrersitz wechselt, aber vielen ist etwas ungemein Ritterliches gemein.

Der eine zum Beispiel, der … Read more »


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Und was machst du so?

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Er (auf Party): Machst du auch Anwalt?
Sie: Nee, Kunsthistorik.
Er (sucht den Wein): Ah, so.
Aus dem Off: Und Philosophie.
Er (gießt sich Wein ein): Ach, das ist aber nicht so mit Anthropologie auch?
Sie: Ja nee, ich meine, … um den Menschen geht’s ja immer irgendwie, aber eher so Philosophie halt.
Er: So Psychologie auch, wa?
Sie (im Gehen): Ja, nee,…. Philosophie so. Die Psyche ist aber halt auch immer Teil von allem.
Er (bleibt zurück): Klar.


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