Freitag, 19 of September of 2014

Archives from month » Januar, 2010

Gebicker auf Nebengleisen

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Seit Menschengedenken ist die Rede von Mann und Frau – und dass sie nicht zusammenpassen. Unabhängig davon gibt es ja auch Mann und Mann sowie Frau und Frau. Egal in welcher Kombination, es gibt eines was sie im schlimmsten Falle eint, sobald sie sich zu Paaren zusammentun (für längere Dauer): ein eher unterschwelliges verbales Gebicker und sich Anzicken auf Nebengleisen. Diese richtig unangenehme Unart von Verpaarten, unterdrückte “Abgase” der Beziehung in Gegenwart anderer (gerne mal in “ungezwungener” Atmosphäre) loszuwerden, sticht mir seit geraumer Zeit besonders ins Ohr und Auge.
Es ist wie mit Blähungen. Ständig unterdrückt, immer unangenehm, ausgelöst durch falsche Lebensumstände und Gas erzeugende Un-Kommunikation, quält man sich bei Tageslicht damit herum. Am Arbeitsplatz, im Supermarkt, im Bus soll einem nichts entweichen. Aber dann, im gemütlichen Ambiente einer Bar, mit Freunden, beim Dinner brechen alle Dämme. Dort ist man Paar, dort darf man’s sein. Read more »


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Haus und Tiere

Hai links
Die karierten Bermudas, die er trägt, sind noch sehr klein, ebenso seine schwarzen Löckchen und die Luftsprünge, die er vollführen kann. Drei bis vier Jahre hoch ist seine Stimme, sie durchschneidet die feuchtwarme Luft im Aquarium und huscht hellblinkend zwischen den viel größeren, dunklen Gestalten hindurch, die sich vor dem großen grün schimmernden Glas drängen. Seine Worte schlagen eine glitzernde Welle der Bewunderung und sprechen gleichzeitig von größtmöglicher Zuversicht: “Ich frag Mama, ob sie mir auch so einen Hai kauft!”


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we wish – even more

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Bus. Oben im Bus. Ich sitze und gucke im Bus. Ganz vorne höre ich die hinter mir im Bus. Es ist laut und heiß im Bus. Die Strasse wellt sich, die Menschen warten auf den Bus. Winken nach dem Bus. Ich höre Musik im Bus. Der Takt der Stadt dröhnt im Bus. Ich fahre Bus.
Ich jogge. Rechts im Busch hockt einer und scheißt. Eine Frau davor reicht ihm Taschentücher. Eine Ratte flüchtet quer über den Weg. Sie guckt mich an.
Berliner Oper geht im Viertakt. Der Strom entlang der Straße verliert sich am Ende. Ein dunkler Park verschluckt uns und schenkt Kronen aus Blättern für die Könige im Herbst. Read more »


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we wish

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schwungstadt im sommerrausch summt in meinen ohren. mit dem schwungrad fahre ich die sonnenallee entlang. lange schatten ziehen sich über den platz, der markt schreit. hackenporsche an kinderkutsche rutschen über füße, eng drängt die menge und fühlt das obst. alles frisch und heiße ware. ich sonne mich dicht an dicht, schiffe winken vom wasser. die ratte rettet was sie kann und ich laufe entlang. der kanal glänzt im sommerlichen licht.
mitte ist voll, die s bahn staut sich, es ist heiss. mittendrin stehe ich, der tag, mein leben drängt mich. bedeutung ist wandelbar und die stadt trägt mich weiter. sie sind mitten auf der strasse und zeigen auf mich. ich rieche hundekot, der ort an dem ich wohne ist eckig und dreck starrt mich an. ab heute gehe ich nur entgegen der richtung. Read more »


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So cool

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An einem Küchentisch, Kreuzberg. Abends. Es wird geraucht. Der Raum ist voller Leute, die sich nicht kennen.
Sie (Französin, mitte 50, angetrunken): Wahs mir in Berlien so gefählt, iest, dass niemand fragt, was du leistehst. Niecht wie in Mühnchän.
Sie (30, ungeschminkt, lackiert sich die Nägel rot, abwesend): Ja genau. Zum Kotzen. (Denkt über ihren finsteren Kontostand nach).
Sie (fixiert einen punkt in der Ferne): Hiehr in Berlien ist es nischt wischtisch, was du machst, alle machen ehtwas. So coohl.
Sie (hat sich beim Lackieren vermalt, flucht leise): Mist… Ja. Ich habe mein ganzes Leben eigentlich nur studiert und es total genossen. Könnte ewig so weiter machen. Das ist so toll hier in Berlin … wichtig ist, dass man kreativ ist.
Die Französin dreht sich eine Zigarette. Sie trägt einen taubengrauen Lidstrich mit Glitzer-Eyeshadow darüber. Alles sieht etwas schief aus. Auch die Zigarette.
Sie (hat fertig lackiert. Eine Frau kommt dazu und pustet ihr auf die Nägel damit sie schneller trocknen): Danke. Geht schon. Read more »


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Gelbe Ritter

Taxi
Eigentlich geht es darum, ein Stück Weg zurückzulegen. Meistens: Nach Hause, spät und weit. Oder es geht darum, eine Reise zu beginnen: Zum Flugplatz, zum Bahnhof, zum Hafen. Andere Leute fahren auch Taxi, um von beruflichen Terminen zu anderen beruflichen Terminen zu gelangen, aber ich lasse meistens aus privaten Gründen fahren. Und dann oft aus einer Notlage heraus: Zu dunkel die Welt, zu einsam der Weg, zu hoch die Zahl geistiger Getränke, zu schlecht das Wetter oder zu sehr geschrumpft der zeitliche Abstand zum anstehenden Termin, um sich mit einem kostengünstigeren Verkehrsmittel auf den Weg zu machen. Ein gelb leuchtendes Schild in der Nacht – was kann es Tröstlicheres geben.

Egal, welche der elfenbeinfarbenen Türen in dieser Republik man öffnet: Sie führen alle in die selbe Welt aus schwarzledernen Sitzpolstern, die sich freundlich um die Schultern schmiegen. Der Herr, selten die Dame, auf dem Fahrersitz wechselt, aber vielen ist etwas ungemein Ritterliches gemein.

Der eine zum Beispiel, der … Read more »


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Und was machst du so?

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Er (auf Party): Machst du auch Anwalt?
Sie: Nee, Kunsthistorik.
Er (sucht den Wein): Ah, so.
Aus dem Off: Und Philosophie.
Er (gießt sich Wein ein): Ach, das ist aber nicht so mit Anthropologie auch?
Sie: Ja nee, ich meine, … um den Menschen geht’s ja immer irgendwie, aber eher so Philosophie halt.
Er: So Psychologie auch, wa?
Sie (im Gehen): Ja, nee,…. Philosophie so. Die Psyche ist aber halt auch immer Teil von allem.
Er (bleibt zurück): Klar.


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Das Sicherheitsschloss

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Es war ein richtig netter Nachmittag gewesen. So einer, der mit einem leckeren Chaiflipdecaflatte beginnt, zum Glasnudelsalat mit vietnamesischen Kräutern übergeht, um dann wieder bei einer Schale ordinären Milchkaffees zu landen. Und das alles im munteren Zweiergespräch mit einer Freundin, die gerade aus dem asiatischen Ausland in die Frostwüstenei Berlins zurückgekehrt ist.
Und es war ein kalter Tag, um nicht zu sagen sibirisch. Selbst wenn man mit dem Rad weit neben der Trambahnschiene fuhr, schien sie einen magisch anzulocken. Im Gegensteuern landete ich dann in den gefrorenen Fahrrinnenwülsten auf dem Bürgersteig oder auch mal in einem mehligen Schneebrei irgendwo dazwischen.
So war ich froh, mein schneeverkrustetes Rad vor dem Café abstellen zu können und guckte den Rest des Nachmittags mit der Freundin von drinnen nach draußen. Als ich vom vielen Koffein so aufgekratzt war, dass ich mich wie eine Fledermaus unter die Decke hätte hängen können, wurde es Zeit sich zu verabschieden. Read more »


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Die galoppierende Matratze

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Ich hatte mir noch nie eine Matratze gekauft. Als Kind liegt man immer auf der des älteren Geschwisters, später erbt man irgendeine andere und in WGs liegt eh immer eine rum, die keiner braucht. Und doch gibt es diese unzähligen, neonhell beleuchteten Matratzenläden in der Stadt.
Aber es kam der Tag an dem ich einen Freund fand, der auf meiner Futon-Luftmatratzen-Kombination nicht schlafen konnte. Entweder die Luft ging entwich oder der Futon wobbelte minutenlang, wenn jemand das Bett verließ oder zustieg.
Ich übertrat also die Hemmschwelle eines Bettenladens und erkundigte mich beiläufig nach den Vorzügen der verschiedenen Matratzen. Im grellen Licht lag ich probeweise auf Latexmatratzen, Federkern-Schaummischungen, Billigvarianten und Deluxeversionen. Als ich erfolgreich in den Kauf einer Latexmatratze hineingequatscht worden war, knauserte ich schließlich bei den Transportkosten. Ich wollte das Ding selbst nach Hause tragen, denn ich wohnte nur zweitausend Meter vom Laden entfernt. Read more »


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Harfensalat

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Eierharfen hängen in Supermärkten immer irgendwo. Sie folgen der Logik des Salzes, welches nie beim Pfeffer zu finden ist, sondern beim Zucker.
Als Kind wuchsen Eierharfen in meiner Vorstellung nur in Küchenschubladen von Großmüttern. Und nur an Weihnachten wurde die Eierharfe hervorgeholt.
Weihnachten war ein emotionaler Windkanal, der die Ruhe des restlichen Jahres gründlich durcheinander brachte. Die sonst verstreut lebenden Tanten und Onkels wurden im Haus meiner Großeltern versammelt, auf engstem Raum. Die Enkel wurden mit zugehaltenen Augen am gefühlt riesigen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer vorbeigeleitet, dessen Kerzen von meinem quadratischen kleinen Großvater schnaufend vor der Bescherung entzündet wurden. Alles was unter vierzehn war, hatte sich bis zum Abend im Esszimmer oder in der Küche nebenan aufzuhalten.
Mein Kopf reichte gerade bis zum wackeligen Gartentisch, unter dem in der Küche Plastiktüten und Mülleimer gelagert wurden. Die Bespannung roch nach Plastik. Wenn ich mich zwischen Tisch und Mülleimer stellte, hatte ich Ein- und Ausgang der Küche gut im Blick. Meistens hielt ich es ein paar Minuten dort aus, bis mich eine eilfertige Tante oder ein gehetzter Onkel woanders hin zitierte. Die beiläufige Kommandogewalt der Verwandtschaft perlte jedoch immer wieder an mir ab und ich wischte zurück ins Zentrum der Familienseligkeit. Read more »


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