Dienstag, 30 of September of 2014

Archives from month » März, 2010

Schäfchen und Wolke

Meah
Ein herrlicher Frühlingstag, draußen vor dem Fenster hinter dem Schreibtisch strahlt die Sonne, der Himmel leuchtet blau, die Bäume tragen frisches Grün und die Mädchen helle Kleider zu hellen Beinen.
Ich höre Schafsgemecker heraufschallen. Mäh, mäh! Da es in der Hauptverkehrsstraße definitiv keine Herde gibt, beuge ich mich zum Fenster und sehe neugierig auf die Straße hinunter. Ein junger Mann Mitte hängt meckernd und mit herausgestreckter Zunge aus einem Beifahrerfenster. Sein Spott richtet sich auf etwas, das sich noch im Schatten meines Hauses befindet.

In Erwartung eines würdigen Gegners beobachte ich die Szene weiter. Doch ins Bild schiebt sich eine rundliche, ältere Dame. Sie wiegt ihre von einer tapferen Blümchenbluse umspannten Pfunde auf überforderten Beinen über die Straße. Auf ihrem Kopf flattert weißes, zauseliges Haar im lauen Frühlingswind. Sie ignoriert den Schafsimitator, der mit einem letzten “Mäh” und wehender Zunge aus meinem Blickfeld entschwindet.

Arschloch.


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Wahrnehmen, Bewerten, Handeln

Druck

Die rote Clownsnase macht ein röchelndes Geräusch. Unwillkürlich ziehe ich die Spucke im Mund hoch. Mit dem Blick auf eine imaginäre Wasserpistole übe ich mich in intensivem Wahrnehmen. Mit aufgepumpten Wangen und Kulleraugen folgt clowneskes Bewerten. Dann spritze ich mein Publikum nass. Sie quietschen, als hätte mein Handeln wirkliche Konsequenzen.
„Handeln und Bewerten besser trennen!“, bemerkt die Dozentin trocken. Sie schlägt ein Bein über das andere. Guckt.
Also noch mal. Die rote Nase zwickt mich, ich atme heiße Luft ein. Read more »


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Dauerhaft

Druck

Nach all den Monaten der Dürre war sie wahnsinnig vor Bedürfnissen geworden. In der Bar, in der sie mit ihrer alten Bekanntschaft getrunken hatte, fühlte sie sich alt und verbraucht. Das Parfum der jungen Mädchen hinter Theke hatte sie aggressiv gemacht. Die konnten nicht mal richtig rechnen und kicherten dazu auch noch.
Sie fühlte sich in deren Gegenwart noch schwächer als sonst. Das Cocktailkleid aus Polyester schien ihr wie eine Entschuldigung für ihre verwaschene Biographie, die sie immer zu vertuschen suchte. Auf die Frage nach ihrem Beruf antwortete sie mit „Außenhandelsreferentin der EU“. Meistens war die Antwort kurz und knapp. Keiner sah ihr tief in die Augen, um nachzuforschen was sie eigentlich war.
Doch an diesem Abend war sie es leid, allein nach Hause zu gehen. Ihre Bekanntschaft überschüttete sie mit einem Redeschwall, unter dem sie abgetaucht war. Geschützt unter der Schallglocke übte sie sich im stummen Beobachten. Read more »


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