Mittwoch, 23 of Juli of 2014

Archives from month » November, 2010

Mit Hand und Mund

So ein Leguan, der isst nicht mit Messer und Gabel. Er ist ein Genießer und stopft alles in sich hinein. Ich habe Stunden am Terrarium im Karstadts Kleintierabteilung verbracht und den Leguanen beim Fressen zugesehen. Ich kenne mich aus.
Regelrecht unflätig pfeifen sie sich ihr Grünzeug rein. Die kleinen Echsen haben wirklich überhaupt keine Tischmanieren, dafür einen Kohldampf, der sich gewaschen hat.
Ruppig und lustvoll zugleich grabbeln sie im Feldsalat und schieben sich büschelweise davon in den weit aufgerissenen und immer noch zu kleinen Mund.
Mit ihren seltsamen Händchen, die vier grüne Daumen zu haben scheinen, schaufeln sie die Portionen mit großer Geste so ins Maul, dass die Hälfte noch heraus ragt. Mit überlappendem Salat auf den Lippen mampfen sie dann träge dreinblickend vor sich hin, und natürlich nehmen sie sich noch ein Blatt, bevor sie mit dem einen fertig geworden sind. Ein Schauer läuft mir über meinen wohlerzogenen Rücken.
All das geschieht mit ausholenden Bewegungen und dabei völlig stoischem Gesichtsausdruck. Die Leguanaugen blicken in die Ferne, in ihrem Kopf muss eine Wüste sein. Read more »


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Rudolph, the SOMA reindeer


Was haben zwölf männliche, kastrierte Rentiere, Kanarienvögel (beiderlei Geschlechts) und Fliegenpilze gemeinsam?
Den Hamburger Bahnhof.
Vom 5. November bis 6. Februar 2011 hausen sie dort, die Rentiere, Pilze und die Vögel. Solch einem vielseitigen Kunstprojekt kann man sich von den verschiedensten Ecken aus nähern. Der eine möchte Rentiere angucken, weil es bald Weihnachten wird und man auf Tuchfühlung mit den flauschigen Winterrehen gehen möchte. Der andere mag Vögel in großen Volieren, die wie verrückt zwitschernd hin und her, und her und hin, und hin und her, und mithin auch mal wieder her und hin fliegen. Ich konnte mich durch strenges Hinsehen überzeugen, dass Kanarienvögel durchaus nicht immer gelb, aber alle laut sind. Read more »


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Mit dem Leben bedroht

Der Politiker im Fernsehen sprach von Menschen, deren Lebensweg schwierig sei. Manchmal wären sie sogar mit dem Leben bedroht.
Mit dem Leben bedroht!
Ich weiß wovon der Mann spricht, denn bald ist Weihnachten. Am 24.12. ist jeder, der im trauten Familienkreis feiert von allerhand Leben bedroht. Die sinkende Geburtenrate in diesem Land bedroht jede kinderlose Frau mit Leben, und zig Millionen frisch verheirateter Paare bedrohen sich nahezu täglich mit dem gemeinsamen Leben. Manchmal endet alles sogar im gemeinsamen Tod. Read more »


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Ja wir tanzen


Die ersten Zuschauer stehen in sauberem Halbrund vor der Bühne. Ein Stagediving würde auf dem platten Boden des Saales enden. Wie ein unsichtbarer Graben zwischen Auftretenden und Davorstehenden tut sich eine Lücke auf. Die ersten Akkorde des nächsten Songs knallen aus den Boxen und eine Frau mit Nierengurt in Blumenoptik vergisst sich. Nein sie vergisst uns und es tut ihr gut. Sie rudert mit geschlossenen Augen zur Bühne vor, ihr Hintern schwingt komplett a-rhythmisch aber dafür umso heftiger. Die Arme beschreiben Blitze, der Körper mimt ein Donnergrollen doch ihre Augen bleiben zu. Sie sieht nicht, dass das Lied schon vorbei ist, sie hört nicht, dass der Beat sich geändert hat. Sie ist innen, sie brauchte nur eine Ouvertüre zum Absprung in ihr wildes Land der Blumennierengurte und Zickzacktänze.
Das nächste Stück beginnt, sie nimmt einen tiefen Schluck Wodka Redbull und saugt den Strohhalm beinahe mit ein. Tonight is the night.
Aber sie ist nicht allein. Read more »


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Mit der Evolution hadern

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Es ist oft wirklich nett, so ein wachsendes Kind im Bauch herumzutragen. Es ist sogar ganz entzückend, die vielbeschworenen Kindsbewegungen zu erleben. Wirklich niedlich, wenn man friedlich auf der Seite liegt, und das noch unbekannte Wesen turnt herum und stupst freundlich gegen die Bauchdecke. Das sind Momente, die einem ein zufriedenes Lächeln auf die Lippen zaubern und warme Freude auf das persönliche Kennenlernen des Zwerges aufsteigen lässt.

In anderen Momenten tritt das Balg nicht gegen die Bauchdecke, sondern gegen den Solarplexus oder den Magen, boxt in die Blase oder malträtiert irgendwelche anderen Organe. Dies tut es auch nicht nur zu gelegenen Augenblicken, sondern auch mal mitten in einem wichtigen Gespräch, in der U-Bahn, beim Linksabbiegen auf einer Kreuzung oder einfach nur dann, wenn es keine Lust mehr dazu hat, dass seine mobile Übergangsbehausung stundenlang am Schreibtisch sitzt und arbeitet.

Ganz egal jedenfalls, ob die werdende Mutter sich gerade zärtlich auf den Säugling freut oder grimmig darauf, irgendwann auch wieder alleine den eigenen Körper zu bewirtschaften, es läuft auf die selbe Erkenntnis hinaus: Das Ding muss irgendwie aus dem Bauch raus. Und ganz so einfach, wie es da hineinzubekommen, wird es wohl nicht werden. Read more »


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Hat gerade zugehört

Es gibt so Abende da ist man so sumselig. Da hört man nicht zu und stochert in seiner Roten Beete, die man bestellt hat und auch die Zwiebeln schmecken einem nicht. Ja, man hat auch eigentlich gar keinen Hunger, obwohl man seit Wochen in diesem Restaurant essen gehen wollte. Weils da so gut schmeckt und es so viel zu gucken gibt.
Immer steckt ein Zweig irgendeiner verdammt geschmackvollen Blume oder Wiesenpflanze in der Weinflasche, die als Vase auf dem Tisch steht. Read more »


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Der Porsche unter den Haarschneidern

Kleine Kinder sollte man nicht mit einer Schere alleine lassen, große Kinder nicht mit einem Remington Haarschneidegerät und dessen sieben Kammaufsätzen. Die langen dunklen Nächte des Herbstes verleiten einen zu nichts Gutem. Entweder man guckt zuviel fern, isst zuviel, liegt zuviel herum oder schneidet sich zu viele Haare ab.
Das Phänomen mit den Haaren kennen viele aus ihrer Kinderzeit, wenn Barbie und Ken einen Ausflug in den Friseursalon machten. Ken hatte nur eine Plastikföhnfrisur, die ich mit dem Edding schwarz malte. So eine Typveränderung stand dem Softie gut, befand ich. Barbie dagegen hatte mit einem totalen „Restyle“ zu kämpfen. Ihre langen blonden Locken fielen der Nagelschere meiner Mutter zum Opfer. Dumm war nur, dass Barbies Haarwurzeln spärlich und kreisförmig um ihren Gummikopf angelegt waren. Nach einmal Waschen, Schneiden und Legen sah sie aus wie eine arg mitgenommene, platinblonde Abwaschbürste. Verschämt versteckte ich sie unter ihrem Häufchen Abendkleider und spielte mit etwas anderem. Read more »


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Mr. Crazy Eyes macht Pata Pata

Wenn man Rainald heißt, hat man was vor sich. Der Name verpflichtet zu Komik. Ein Grebe dazu und man hat einen netten Abend in Berlin. Hinein ins Getümmel, zwischen Frauke aus Schwedt und Manni aus Bottrop, einer Busladung voller Schüler und ein paar Alt-68gern. Der Admiralspalast ist unter Touristen verschüttet worden, insolvent aber aus allen Nähten platzend – fast schon eine Berliner Spezialität.
Das Foyer ist schnell durchschritten, der große Saal lockt, die Bühne sieht aus wie ein Möbellager. Über allem baumeln Lichterketten und schweres Gerät – heute kommt die ganz ganz große Show, da bleibt kein Auge trocken und keine Hand im Schoß, es darf uns muss geklatscht werden.
Rainald Grebe betritt die Bühne und sie gehört ihm. Read more »


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