Sonntag, 21 of Dezember of 2014

Archives from month » April, 2011

Ein Loch ist im Gedächtnis, liebe Erna.

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Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder. Den Frühling, den Sommer, den Herbst und den Winter…. äh… darum lieb ich, alles was so grün ist, weil mein Schatz ein … Polizist? Nee! Summ, summ, summ, Bienchen summ herum. Über Stock und über Steine, aber brich Dir nicht die Beine … Auf unserer Wiese geht etwas, watet durch die Sümpfe… hat ein schwarzweiß Röcklein an, trägt auch rote Strümpfe…. die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh, sie – äh – schlafen auf Stroh… Aus grauer Städte Mauern ziehn wir in Wald und Feld. Wer bleibt, der mag versauern…. aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr … Häschen in der Grube saß und schlief, armes Häschen bist Du krank? Häschen hüpf! Kuckuck, kuckuck, rufts aus dem Wald. Ein Vogel wollte Hochzeit machen, in dem grünen Wald— Fidirallalla? Es war so finster und auch so bitter kalt. Sie kamen an ein Häuschen… Bruder Jakob, schläfst Du noch? Oder schon? Ding dang dong! Schlaf, Kindchen, schlaf… Pommerland ist abgebrannt? Read more »


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Ein Hut, ein Stock

Ein Hut, ein Stock ein Regenschirm. Ein vorwärts, rückwärts, seitwärts und ein Hut ein Stock, ein Regenschirm. So gingen wir entlang. Einen Fuß vorwärts, einen seitwärts einen rückwärts gesetzt wenn wir es sangen, aus vollem Hals. Mit guter Laune in die Welt hinein, denn man war nicht alle Tage in München. Schließlich lebten wir auf dem Dorf, nur eine Straße – viel vorwärts und seitwärts gab es nicht. Und wenn man sich schick machte, ging es in diese Stadt. Mein Universum reichte nicht viel weiter. Paris, London, Tokio waren nur Aufdrucke auf Parfumverpackungen. München war real, die Maximilianstrasse so piekfein wie nichts anderes.
Wir waren die drei Frauen: meine Mutter, ich und meine Schwester. Eine Frauenfamilie in der die Kinder immer wie aus dem Ei geschlüpft waren. Im Leben gelandet mit dunkler Vorgeschichte. Zu den Plagen der Geburt gehörte schon unsere Zeugung. Eine schwierige Ehe, eine diffzile Affäre. Zwei Kinder. Drei Frauen. Read more »


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Barrierefreies Berlin

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Ich bin in Eile. Ich bin zu spät dran. Daran ist nichts Neues. Neu allerdings ist, dass ein dreirädriges Gefährt nebst Insasse mich daran hindert, wie gewohnt in S- und U-Bahnhöfe hinein und hinaus zu hasten. Stattdessen suche ich stirnrunzelnd den Wegweiser mit der kleinen Kiste und dem Pfeil: Wo bitte, geht es zum Aufzug? Nicht immer ist er leicht zu finden. Am S-Bahnhof Landsberger Allee zum Beispiel verbirgt er sich hinter einer Art Tapetentür aus Graffiti. Am Alex ist er ganz hinten auf dem S-Bahnsteig. Und vom U-Bahnsteig der U2 fährt er nur zum U-Bahnsteig der U5 und nicht etwa nach draußen, auf den Platz. Wie man barrierefrei zur S-Bahn wechselt, habe ich noch nicht herausgefunden. Als Kinderwagen-Neuling empfiehlt es sich, unauffällig den Rollstuhlfahrern zu folgen. Die kennen sich aus.

Vor der heimischen Haustür zum Beispiel befindet sich auch eine Treppe zu einem U-Bahnhof. Read more »


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Kellerwelt

Ein Haufen Wäsche in der Dunkelheit. Das Geräusch meiner Wimpern, die auf der Decke kratzen und sich wie Schritte anhören. Das Bild meiner Ahnen im Gästezimmer meiner Großeltern. Genauer: die Augen der Porträtierten. Der dunkle Flur zwischen Klo und Bett. Keller, egal wo, egal wie hell. Manchmal auch der Speicher, oder die eigene Wohnung nach einem Gruselfilm. Das Zimmer mit den roten Vorhängen.
Angst lauert überall und das längst nicht nur in der Kindheit. Der Spruch „das geht vorbei“ gilt nur für die jugendliche Sorglosigkeit, nicht jedoch für pathologische Furcht vor Dunkelheit und blühende Phantasie in unpassenden Momenten. Weil ich von meiner Empfindsamkeit weiß, meide ich Horrorfilme. Und trotzdem, es half nichts: sobald ich Öl für die heimischen Öfen aus dem Keller holen musste, schlug das Herz in meinen Schläfen. Der Gang ganz unten im Haus war stockduster, gewunden und die Lichtschalter waren immer an den unmöglichsten Orten. Nicht oben am Treppenabsatz, sondern unten im Dunkeln. Ich stieg in ein tiefes, schwarzes Loch, die leere Ölkanne schützend vor mich gehalten. Read more »


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