Schlingenschlumpf
Das Foyer (franz.: Feuerstelle, Herd, Brennpunkt) macht seinem Namen alle Ehre. Zumindest gefühlt stehen dort alle am Nabel der Theatermacherwelt. Selbst bekannte Gesichter spähen, ob sich noch Bekanntere entdecken lassen, Unbekannte recken ihre Hälse nach allen Seiten und erblicken doch nur noch Unbekanntere. Sehen und gesehen werden im Berliner Festspielhaus ist eine zutiefst aktive Beschäftigung. Und ein Festspiel verspricht so vieles: Panem et circenses, Sekt und Brezeln und Aufgebrezeltes, Künstliches, Sehendes und Gesehenwerdenwollendes. Ein Strom zieht vom Foyer zu den Toiletten, vom Vorplatz hinein in den Großen Saal.
Es klingelt und betont abgeklärt suchen sich die anwesenden Theaterliebhabenden ihre Plätze. Alle scheinen in der Mitte zu sitzen, alle steigen übereinander her, voreinander durch, aufeinander drauf. Als wäre das Haus verhext, betritt niemand den Saal von der richtigen Seite aus. Das viele Umherstampfen und Steigen hört sich an, als sortiere einer Socken in einem Schuhkarton. Hinzu kommt der passende Geruch: Hasenstall und Körpergase. Oder eben Hasengase, die sich in den alten Sitzpolstern festgebissen haben müssen. Der Hitze des Foyers entronnen landet man so in der verschwitzten Traufe. Neben mir im Muff des Saales meckern sich zwei ältere Damen durch die Wartezeit vor Beginn des Stücks. Read more »
Date: 24. Mai 2011







Gespräch