Dienstag, 25 of November of 2014

Archives from month » Mai, 2011

Schlingenschlumpf

Das Foyer (franz.: Feuerstelle, Herd, Brennpunkt) macht seinem Namen alle Ehre. Zumindest gefühlt stehen dort alle am Nabel der Theatermacherwelt. Selbst bekannte Gesichter spähen, ob sich noch Bekanntere entdecken lassen, Unbekannte recken ihre Hälse nach allen Seiten und erblicken doch nur noch Unbekanntere. Sehen und gesehen werden im Berliner Festspielhaus ist eine zutiefst aktive Beschäftigung. Und ein Festspiel verspricht so vieles: Panem et circenses, Sekt und Brezeln und Aufgebrezeltes, Künstliches, Sehendes und Gesehenwerdenwollendes. Ein Strom zieht vom Foyer zu den Toiletten, vom Vorplatz hinein in den Großen Saal.
Es klingelt und betont abgeklärt suchen sich die anwesenden Theaterliebhabenden ihre Plätze. Alle scheinen in der Mitte zu sitzen, alle steigen übereinander her, voreinander durch, aufeinander drauf. Als wäre das Haus verhext, betritt niemand den Saal von der richtigen Seite aus. Das viele Umherstampfen und Steigen hört sich an, als sortiere einer Socken in einem Schuhkarton. Hinzu kommt der passende Geruch: Hasenstall und Körpergase. Oder eben Hasengase, die sich in den alten Sitzpolstern festgebissen haben müssen. Der Hitze des Foyers entronnen landet man so in der verschwitzten Traufe. Neben mir im Muff des Saales meckern sich zwei ältere Damen durch die Wartezeit vor Beginn des Stücks. Read more »


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Horror vacui

Allein schon über die weiße Seite hinaus zu kommen ist das Problem. Man rutscht quasi von der Tastatur in den Kühlschrank. Die Arbeitsgeräte umschleichend posiert man mit dem lang vergessenen Staubsauger und tut so, als würde man aufräumen. Tut man aber nicht, mit so was fängt man gar nicht erst an. Wozu ist man erwachsen geworden, Herr und Frau seines eigenen Lebens? Die Zeiten, in denen ein Besuch der Mutter im Jugendzimmer für Wirbel sorgte, sind lange vorbei. Heute fliegen dort nur noch unbehelligte Flusen umher. Und doch, die Seite bleibt weiß und ich zerre am Staubsauger und stelle ihn in die Mitte der Wohnung. Wo ist die Steckdose? Ach egal. Read more »


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Punkt Punkt Komma Strich – ohne Maus geht es nich

Für die Freunde der Computermauskunst und meiner Krakelmalereien im Besonderen: die Redenswingerzeichnungen haben einen Gastauftritt auf dem Theatertreffenblog 2011. Von heute an bis einschließlich 23.05.2011 gibt es dort jeden Tag eine neue IlIustration zu sehen, die ein Theaterstück oder den Kulturbetrieb drumherum kommentiert. Read more »


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Soju solala

Der Türsteher der Imbissbude ist Schwarz in Schwarz gekleidet. Wie schon tausende Male zuvor gesehen sitzt neben ihm eine junge Frau, diffus modisch, auf einem hochbeinigen Hocker. Jede einzelne dieser Club-Bezahl-Frauen, die hinter der immer gleichen Geldkassette sitzen, hat diesen fordernd gelangweilten Gesichtsausdruck. Die Aufgabenstellung ist klar, schmerzlich überschaubar, aber das Ambiente stimmt. Auf ihren Ellbogen gestützt, hält sie mir ihre flache Hand hin: fünf Euro bitte.
Tagsüber ist der Imbiss eine Hühnerbraterei, nachts öffnen sich die Hintertüren zu einem angesagten Etwas: einer Asia-Bar mit Süßkartoffelschnapsausschank. Die Aussicht auf Gemüselikör macht meiner Hand keine Beine. Fünf Euro für eine Bar? Read more »


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