Samstag, 20 of September of 2014

Archives from month » November, 2011

Wir atmen ein, wir atmen aus.

Mein Yoga-Understatement-Mantra geht so: Ich kann kein Yoga. Ich will kein Yoga können. Ich will das nicht wollen.
Ich will: zufällig hingehen und unaufgeregt turnen. In einer vorsichtigen Annäherung an das Yogathema. Nur nicht eifrig werden, sonst klemmt man sich noch einen Nerv ein oder hat am Ende gar eine eigene Yogamatte in frischen Erdfarben. Oder in Lavendel, passend zu seinen steingrauen Stulpen und zur frischweißen Yogahose.
Und für seine eigene Yogamatte – das sehe ich gleich in der ersten Stunde – muss man Verantwortung übernehmen. Sonst übernehmen sie das Regiment. Sie wellen sich wie ein nervöser Teppich, rollen sich zusammen anstatt sich ordentlich flach zu legen und verweigern jegliche Kooperation, wenn man ihrer Unterstützung bedarf.
Außerdem sind sie dünn und unbequem. Trotzdem sitzen die hageren Yogaschüler unbeirrt auf ihren Matten, als wäre es ein Himmelbett. Die Selbstkasteiung fängt hier schon mit der Unterlage an. Read more »


Leave a comment

Pudermann

Es war ein ehrliches Rockkonzert. Vier Jungs mit Bass, Gitarre und Schlagzeug.
Wenig Worte, noch weniger Licht und fast fließende Überleitungen zum nächsten Lied. Gefühlt lag Rauch in der trüben Kellerluft, obwohl überall Schilder ein strenges Tabakverbot aussprachen. Nach wenigen Songs waren die Sänger der Band Urge Overkill durchnässt und das Publikum in Fahrt.
Die Gitarrenriffs holten mich in die 90er zurück, eine Zeit in der ich meinen Höhepunkt pubertärer Unsicherheit erlebte. Ich muss etwa fünfzehn gewesen sein, und das Aufregendste was mich damals umtrieb, war der Kauf einer 501 Levis Jeans für die ich meinen halben linken Arm gegeben hätte. Mit der geerbten Karottenhose meiner Schwester, die hier und jetzt punktgenau in den Modetrend gepasst hätte, traute ich mich damals nicht mehr vor die Tür.
Heute blickte ich mich im Publikum um und erspähte sieben Karottenhosen, vier Paar Stulpen, zwanzig Nappalederjacken und acht unmögliche Frisuren von Männern, deren Pubertät in den 90ern bereits lange vorüber gewesen sein musste. Read more »


Leave a comment

Excel Exzess

Die Nummern rasen an mir vorbei. Ein kleiner Klick auf den Pfeil am Rand des Bedienfelds und schon wieder versetze ich ganze Kolonnen in rauschhafte Geschwindigkeit. Einzelne Spalten verwischen zu grauen Schlieren und immer, wenn ich den kleinen Balken auf der Seite loslasse, lande ich im Excel-Nirvana – irgendwo zwischen Zeile 12 476 und Z. Sonst ist nichts zu sehen. Leere Spalten, leere Zeilen.
Das Ende der Tabelle ist ein ferner Silberstreif am Horizont. Eine mit Lichtgeschwindigkeit vorbeiflitzende Fata Morgana am Ende eines langen Tages und Kampfes mit diversen Office-Programmen.
Ich wusste, dass ich tausende Adressen eingepflegt, dass ich sie durch vielfaches Sortieren nach diversen Parametern in ein heilloses Durcheinander gebracht hatte. Aber wenigstens alphabetisch sollte sie nun sein, die Aufzählung.
Ich hatte 2120 Zeilen gefüllt und wollte nur mal kurz nachsehen, ob es auch 2120 sind. Nur kurz. Read more »


Leave a comment