Samstag, 25 of Oktober of 2014

Archives from month » Januar, 2012

Verschaltet

Er gab mir diesen Blick, den man Frauen gibt die angeblich technische Probleme haben. „Angeblich“, weil sie es sind, die davon sprechen. „Angeblich“, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. „Angeblich“, weil ich es bin, die ja keine Ahnung haben kann.
Er drehte am Griff der Nabengangschaltung und es knackte. Immer wieder, hin und her. Dabei guckte er nicht auf die Schaltung, sondern aufreizend in mein Gesicht. Da – geht doch, schaltet doch. Knack Knack Knack.
Dass das Rad seit seinem Kauf vor nicht mal zwei Monaten jede Woche einmal liegen geblieben ist, weil die Schaltung streikte, hatte ich ihm zuvor erzählt. Erst ganz ruhig, dass etwas strenger, dann mit pochendem Herzen und Hitze unter meiner Wintermütze.
Das könne schon mal passieren, wenn man unter Belastung schaltet, sagte er, und guckte an mir herunter, als wäre ich eine Elefantendame, die ihr Zirkusrad zur Reparatur bringt. Bei den Temperaturen fröre schon mal was ein, das kann dann klemmen, das sei völlig normal.
Draußen auf der Straße liefen Menschen in mittelschweren Winterjacken vorbei. Es waren, für den Berliner Januar, angenehme 0 Grad.
In meiner Jacke fühlte ich mich jedoch wie in einer mobilen finnischen Sauna. Ich kochte, wollte meine Rüstung aber nicht ablegen. Read more »


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Rollin’

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Zum Alltag einer durch die Provinz pendelnden Kinderwagen-Chauffeurin gehört der allwöchentliche, mehrstündige Aufenthalt in den gutgemeinten Stauraum-Abteilen des Regionalexpresses. Jedes für sich – und es gibt zwei pro Wagen – ein Meisterwerk der Funktionalität. Der Raum ist frei, gesäumt von einer Reihe von Klappsitzen unter den Fenstern. Sicherheitsgurte auf Rollen mit großen Haken an den Enden laden zum Verzurren ein. Falls das Abteil nicht mit Kinderwägen oder Fahrrädern oder – zu Sommerferien-Stoßzeiten – Bierkästen oder – zwei Tage vor Weihnachten – riesigen Geschenkpaketen für die liebe Familie im Brandenburgischen/Mecklenburgischen/Vorpommerschen vollgestellt ist, können all jene, die einen Kinderwageninsassen bewachen, einen Rollstuhlfahrer begleiten, einen sabbernden Hund mitführen, mit ihren Bierflaschen im Abteil unangenehm auffallen würden, den Weg bis zum von einer Glastür abgeschirmten Abteil zu weit finden, eh gleich wieder aussteigen, auf einem der Klappsitze Platz nehmen. Charmant: In Richtung Ausstieg steigt der Boden leicht an, die Klappsitze aber nicht. Es ist also auch an die Kleinwüchsigen unter uns gedacht, die direkt neben der Waggontür mit bis zu 10 cm kurzen Beinen bequem die Füße auf dem Boden abstellen können.

Da selten Kleinwüchsige mitfahren, sitzen dort meist die Höflichen und Stillen mit bis zu den Ohren hochgezogenen Knien.

Der unheimliche Mann saß nicht ganz außen, aber auf dem zweiten Sitz noch mit deutlicher Schräglage. Read more »


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Gespitzte Ohren

Es war einmal ein Mädchen, das lebte in einer großen Stadt und wollte schreiben. Nicht Schreiben lernen, denn das konnte sie schon; sondern eine ganze Seite voll mit Worten schreiben, die sich am Ende zu einer Geschichte zusammenfügen sollten.
Denn sie ging stets mit offenen Augen durch die Straßen und sah die Menschen neugierig an oder fragte auch schon mal etwas. Und so ging sie fast jeden Abend mit gedankenschwerem Kopf ins Bett. In ihrem Inneren sammelten sich die Ideen wie reife Trauben und als eines Tages ein weißes Blatt Papier vor ihr zu liegen kam, befiel sie der dringende Wunsch, das Gehörte und Gesehene sofort aufzuschreiben, so wie sie es erlebt hatte.
Doch gerade als sie sich an ihren Tisch setzte merkte sie, dass ihr Bleistift ganz stumpf geworden war und nicht mehr schreiben konnte. Read more »


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Sie haben Post

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Ich habe eingekauft. Eigentlich unspektakulär: Ich habe einen allseits bekannten Film aus den frühen neunziger Jahren, den ich nirgendwo leihen kann, bei einem Anbieter bei ebay erworben. Zwei, drei Klicks, dann war die Dvd per paypal bezahlt und zwei Augenblicke später vergessen: Wird schon demnächst in der Post sein.

Entgegen meiner Erwartungen hat dieses beiläufige Ereignis eine Flut an Reaktionen ausgelöst: Mein Postfach quillt. Kaum hat sich mein Finger vom Mousepad gelöst, erhalte ich die erste Mail: Ebay meldet sich und verkündet: „Sie haben diesen Artikel auf eBay gekauft: …“. Noch in der gleichen Minute trifft eine Mail des Verkäufers ein: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben das Richtige getan und bei mir folgende Artikel gekauft:….“. Und, einen Wimpernschlag später, informiert erneut ebay: „Hier finden Sie die Angaben des Verkäufers zum Widerrufs- oder Rückgaberecht“.

Fünf MInuten immerhin schweigt das Postfach. Dann piept es wieder: Read more »


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