Donnerstag, 24 of April of 2014

Archives from month » Mai, 2012

Erika

Sie redete sich in einen Tusch hinein. Im Hintergrund lief das Radio, wieder die Sportnachrichten. Es war drückend, in und außerhalb der kleinen Wohnung, wo sie nun saß, mit ihrem Mann. Und er drehte wieder an den Knöpfen des Geräts und hörte nicht zu. Nie hörte er ihre Stimme.
Sie schrie und keifte, sie kniff ihn und schubste das Radio. Ein Trommelwirbel, ein Tusch. Und dann war wieder nichts am Ende, auf das sie warten konnte.
Er war wieder mit Erika beim Kegeln gewesen. Das erzählte man sich im ganzen Haus. Erika hier, Erika da. Als hätte es nie eine andere gegeben, als hätte sie Erika nicht vor die Tür gesetzt, als es vor Jahren zwischen den beiden holprig wurde.
Wiegand hatte sich doch bloß in sie verguckt, weil sie ihn mit Herrenduft betört hatte. In ihrem kleinen Örtchen gab es nicht viel: ein Miederwarengeschäft, ein Lottoladen und den Fotoladen mit Parfumecke gegenüber vom Supermarkt.
Erika war eigentlich nur für eine Saison da, suchte nichts Festes, kam aus der Stadt und sah ein wenig räudig aus mit ihrem vergilbten roten Haar. Ein bisschen Pflege, meinten die Leute, täte ihr gut. Aber auf sowas Handfestes hat er schon immer gestanden. Read more »


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Quo vadis?

(lat. Misstrauen: diffidentia)

Es war einmal eine kleine Diffidentin, die bekam ein Paket. Nein so war es nicht. Sie sollte ein Paket erhalten, aber als der Postbote klingelte, war sie nicht zu Hause. Tatsächlich war die kleine Diffidentin nie zu Hause, sondern setzte sich oft stundenlang der Außenwelt aus, um das ein oder andere Misstrauen zu nähren. Denn Misstrauen will wohlgenährt sein. Sonst geht es ein.
Als die kleine Diffidentin nun den gelben Zettel im Briefkasten fand, der ihr bedeutete, sie müsse ihr Paket in der Nachbarschaft abholen, brach all das wohlgenährte und gut gehütete Misstrauen in vollen Eimern aus ihr heraus: Das Paket war in der neuköllner Nachbarschaft abgegeben worden! In der räudigen Nachbarschaft von asozialen Pennern und wer weiß was für Leuten, die noch nie das Tageslicht gesehen hatten. Jaja, sie liebte Multikulti und Sozialschwach, Berlin ist arm, aber sexy. Und das Paket war weg. Read more »


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Days like this

Zwei Klofrauen im Vorraum der Toiletten.
Im Vorbeigehen sagt die eine zur anderen: „Scheißtag.“


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Meine Matte is my castle

Wenn man dem Alter eines Tanzschülers entwachsen ist, bleibt einem – was das Motorische angeht – vornehmlich das Fitnessstudio, um sich der kollektiven Hochnotpeinlichkeit auszusetzen.
Schon der Gang an den Kraftmaschinen entlang, an denen sich die verschiedenen Menschenmodelle schwitzend und schnaufend schinden, ist ein Vorgeschmack auf den kühlen Ernst welcher in den heiligen Hallen der „Studio“ genannten Turnräume herrscht. Jeder, der dort durch die Glastür kommt, wird von der schon weit vorher aufgelaufenen Rentnerschar streng gemustert. Das sind nicht irgendwelche Pensionäre, das sind stahlharte Nachkriegsturner, mit verdeckt arbeitenden Muskelpaketen. Das sind Fitnessrentner, die jeden Tag ins Studio kommen, Liegestütz und Hanteltraining zum Aufwärmen machen, um dann noch kurz vor dem Duschen eine halbe Stunde Bauchmuskelexpress dazwischen zu schieben. Zum Runterkommen.
Jeder dieser Rentner steht hinter seiner Matte, auf der bereits säuberlich ein farblich passendes Handtuch liegt. Daneben hat er oder sie alles, was der Kurs an Beiwerk benötig: Expander, Gummiseile, Hanteln, Wasserflasche, Extra-Handtuch, Gewichtsscheiben, Extra-Matte, Extra-Socken. Manchmal auch ein Haarreif oder ein spezieller Verband. Vitamintabletten.
Die Neue, die so wie ich nur mit einem Handtuch unter dem Arm eintritt, wird nicht einmal mehr belächelt. Da stehen die alle schon drüber. Nur ein Handtuch ist wie Auto ohne Servo oder Dachgeschosswohnung ohne Lift. Nett … Read more »


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Das Lied vom Eisfach


Nach Schillers „Das Lied von der Glocke“

Fest gesteckt in Einbauküchen
Steht die Form, in Plastik gerahmt.
Heute muss das Eisfach kommen.
Geschwind Lieferanten, seid zur Hand.
Von der Achsel Schweiß
Muss Rinnen zum Gesäß,
Soll das Werk den Monteur loben,
wenn er wuchtet es nach oben.

Zum Kühlschrank, den wir zuvor hatten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn viel Strom wir stets bezahlen,
dann kühlt er gerne munter fort.
So sehr wir nun die Lage betrachten,
was uns der lahme Schrank noch bringt,
Energieklasse D muss man verachten,
denn nie bezahlt sich, was er vollbringt.
Das ist’s ja, was den Haushalt zieret,
Ein Schrank mit Eisfach an der Wand,
Das einen zum Cocktail mit Eis verführet,
Und das jeden Abend mit eigener Hand. Read more »


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