Dienstag, 9 of Februar of 2010

Schöne Aussichten

Schimmernd, leuchtend und glänzend im Kerzenschein das kleine, silbrige Stück Metall, das, gelöffelt und geschmolzen, bestätigen soll, dass das nächste Jahr den Unbill des gerade vergangenen ausgleichen wird. Ein zerronnenes Glücksversprechen ins kalte Wasser geworfen, das daraus jedes Mal von Neuem eine Kelle formt, und laut der Anleitung folgendermaßen entschlüsselt: Vorsicht vor schlechtem Leumund. Was für Frischverliebte natürlich vollkommen unbedeutend ist.

Ihre Kelle ist einer getrockneten Rose ähnlich, eine zerknitterte Oberfläche und viele kleine Blättchen. Sein Blei erstarrte zu einer Lanze, gerade, glatt, spitz.
Der Zukunft das Glück entwindend wollend werden nun beide Bleiklumpen wieder, diesmal gemeinsam, auf den Löffel geladen und über die Kerze gehalten. Zuviel Blei für die Flamme oder chemische Schieflage oder schlichte Verweigerungshaltung des Schicksals, das Blei bleibt starr und das Paar unverschmolzen. Auch der stechende Blick der Verliebten kann das Metall nicht erweichen, Minute reiht sich an Minute, rings umher werden Zigaretten angezündet und ausgedrückt, Gläser gelehrt und die den Bleiklumpen der verbliebenen Tischgesellschaft innewohnenden Aussichten erneut diskutiert. Weitere Kerzen werden entzündet, Pläne für den nächsten Tag gemacht und schließlich mit vorsichtigen Vorschlägen an die Aufmerksamkeit der Hartnäckigen appelliert, die immer noch den Löffel mit stierem Blick ins Feuer halten.

Doppeltes Schicksal erfordert doppelte Flamme: Mit einer weiteren Kerze endlich, endlich, lässt sich das Metall erweichen, steht als grauer See im Löffel und teilt sich doch, ins Wasser geworfen, erneut in zwei Figuren. Eine Frau mit einem dicken Bauch, ist sie sich sicher. Und ein Mann, der auf einer Kugel sitzt. Sind das nicht schöne Aussichten.

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