Samstag, 23 of August of 2014

Neukölln Chic

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Mein Kleidungsstil ist zer-rütli-t. Ich möchte seit geraumer Zeit unbedingt einen zusammengehörigen Jogginganzug. Am besten bunt und cool. Damit schlendere ich dann zum Hermannplatz und gucke möglichst abgefuckt. Berlin verlangt Assimilation, nicht sofort, aber unweigerlich nach den Jahren. Wenn man sich einmal auf diese Stadt eingelassen hat, gibt es keine Umkehr. Niemand nimmt einen mehr nach München zurück, wenn man in abgewetztem Schuhwerk und zerlöcherter Arbeiterjacke daherkommt. Die Dame in der Münchener S-Bahn sah mich und setzte sich um, denn als sie anfing von ihren erfolgreichen Aktiengeschäften zu reden guckte ich vermutlich so irr, dass die es mit der Angst bekam. In Bochum tragen alle schwarz und braun – tief im Westen fliegt der Kohlestaub umher und malt wohl alle gleich, wie ein rußiger Kohleofen im Prenzlauer Berg. Modetechnisch ist Berlin eine bequeme Sackgasse des laisse-faire. Man darf alles anziehen, nur zusammenpassen darf es nicht. Die Historie der Stadt setzt sich auf der Außenhaut fort und zieht durch die Faser ins Gehirn ein. Nach fünf Jahren Berlin passt auch keiner meiner Gedanken mehr zum anderen. Aber es ist ja auch egal, mein Hirn hängt in einer mentalen Jogginghose und kiekt mal so herum. Über Sinn und Ziel kann man sich andernorts alterieren.

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