Sonntag, 20 of April of 2014

Safety förscht

Helm.jpg

“Thomas, hasch Du au dei Helm dabeii?”

Ein schwäbischer Satz schallt durch eine Berliner Seitenstraße. Klar, schwäbische Mütter zu Gast in der Großstadt sorgen sich um ihre dort Rad fahrenden Söhne. Egal, wie alt das Kind ist. Diesem Kind hier sträubt sich der spärliche Haarkranz vor Aufregung, als brav es vom Rad springt und hektisch nach seinem Fahrradhelm zu suchen beginnt. Als sich dieser weder auf dem Gepäckträger noch in der Satteltasche findet, gleicht sich seine Gesichtsfarbe der seines frisch gebügelten, knallroten Polohemdes an.

Seine Begleiterin, sehr hübsch und sehr belustigt, hat ihr Fahrrad ebenfalls angehalten und äußert Erstaunen. Ihre Zöpfe locken sich unbehelmt. Wie es dazu gekommen ist, dass dieses ungleiche Duo sich gemeinsam zu einer Freitagabendveranstaltung begeben möchten, bleibt Außenstehenden ein Rätsel und stimmt Frau Mutter, die mit steinernem Gesicht und ohne Abschiedsgruß ihrer Wege geht, offenbar unfroh. Sollte ihr Sprößling bis eben Chancen auf eine zweite Verabredung gehabt haben – die Mutter hat sie mit einem präzise gesetzten Satz zerstört. Routiniert.

Thomas nämlich ist von der Helmfrage überfordert und schwitzt, helmlos, richtungslos, haargesträubt und ratlos. Neben der am Horizont entschwindenden Mutter schiebt ein zweiter Sohn – auch er jenseits der dreißig – sein Fahrrad. Seinen Fahrradhelm trägt er sogar im Gehen.

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